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Mehr Stoff!? - Nachhaltige Stoffbeschaffung

Wenn Nähen bereits dein Hobby ist, gibt du ja vielleicht auch ziemlich viel Geld für neue Stoffe aus. Vielleicht gehst du gerne auf Holland-Stoffmärkte? (Ich habe nur davon gehört, war aber noch nie auf einem!)

Ich lese in vielen Nähforen, dass ganze Schränke voll Meterware in den heimischen Nähzimmern einstauben…Hast du das jemals hinterfragt? Gehörst du vielleicht auch zu denjenigen, die zuhause Meterware horten, weil du nicht widerstehen konntest? Oder fängst du gerader erst an zu nähen und willst dabei von Beginn an möglichst nachhaltig vorgehen? Wie kannst du Stoff-Spontankäufe vermeiden? Gibt es vielleicht nachhaltigere Alternativen oder Beschaffungsmöglichkeiten?

Folgende Situation: du betrittst den Stoffladen, um eine einzige Sache für ein aktuelles Projekt zu besorgen, sagen wir einen passenden Reißverschluss oder eine neue Garnrolle und zack! … verlässt du den Laden mit mehreren Metern Stoff und einem Berg an Tüddelkram und Zubehör und du bist nicht nur knapp 100 Euro los, sondern die gekauften Stoffe schlummern zuhause ewig im Schrank.

Ja, ich liebe Stoffe auch und ja, die Angebote sind verführerisch und ich gestehe, dass mir genau das auch schon passiert ist. Das ist ab und an mal ja auch total okay, es ist schließlich für die meisten ein Hobby, soll Spaß machen und nicht von Einschränkung geprägt sein oder immer dabei rumgespart werden. Aber mittlerweile habe ich dazu gelernt! Und ich richte meine Einkäufe oder Projekte gezielter aus. Dabei gönne ich mir aber auch gewisse Freiheiten beim Stoffkauf.


Folgende Fragen helfen mir, um Spontankäufe von Meterware zu vermeiden:


Was? Für welches konkrete Nähprojekt würde ich diesen Stoff verwenden?

Ich lasse mich nicht mehr von meiner inneren Stimme zum Kauf verleiten, die mir zuflüstert: “Du bist doch kreativ, du findest schon was”. Ich kaufe Meterware nur noch dann, wenn ich wirklich auch den Stoffverbrauch ziemlich genau kenne, also ein konkretes Projekt habe. Meistens lautet da die Antwort schon “nein”. Manchmal fällt meinem ingeniösen Nähhirn dann aber doch ein easypeasy-Projekt ein und dann stelle ich mir die Frage:


Was noch? Also erstens versuche ich die Frage zu beantworten: was könnte ich aus den Resten noch machen? Und zweitens: was brauche ich für das spontane Projekt noch? Wenn mich meine Resteideen nicht überzeugen oder es zu viele Teile wären, die ich noch zukaufen müsste, dann lasse ich den Stoff liegen. Er bleibt auch im Laden, wenn ich Details zum Projekt nicht genau im Kopf habe, z.B. wie lang der Reißverschluss sein müsste? Oder welche und wieviel Einlage ich bräuchte? Oder ob und wieviel passenden Garn ich noch zuhause habe.


Falls ich mich dennoch davon überzeugen konnte, dass der wunderschöne hier präsentierte Stoff ideal für das so heiß ersehnte (oder besser gesagt gerade in mein vom Nähwahn befallenes Hirn eingeflogene) Nähprojekt ist, und auch das "Was noch" stimmt, dann stelle ich mir folgende Frage:


Wann? Wann habe ich Zeit, das Projekt zu realisieren? Schaffe ich das in den kommenden 2 Monaten (ist eh schon ein großzügiger Zeitraum)? Für viele wird dies die Killerfrage sein. Ich weiß selbst Nähen erfordert Zeit, aber zu gegebenem Zeitpunkt möchte ich euch auch ein paar Tipps geben, wie man selbst als Vollzeitmama mit zwei Jobs und einer Selbstständigkeit ins Tun kommt und Nähprojekte umsetzen kann. Zurück aber zu der Frage: Wann also? Meine Erfahrung zeigt, wenn ich ein Projekt nicht einigermaßen zeitnah umsetze, dann mache ich es auch nicht. Das liegt einerseits daran, dass ich auch häufig für Kinder nähe und die so schnell wachsen, dass manchmal eben schon wenige Monate ausreichen und das angepeilte Kleidungsstück passt einfach nicht mehr. Oder ich habe mich selbst bei einer vorübergehenden (Mode-)Laune ertappt, bei der ich etwas nähen wollte, das ich dann gedanklich doch wieder verworfen habe. Und dann liegt der Stoff rum…


Warum? Das ist natürlich auch eine wichtige Frage. Brauche ich oder der/die Benähte das angepeilte Objekt wirklich? Habe ich vielleicht etwas ähnliches bereits zuhause? Man tendiert dazu, im Kaufrausch schon mal zu verdrängen, dass in der selben Farbe bereits 3 Stoffe auf das Vernähen warten.

Mal ehrlich, ich will kein Spielverderber sein und “brauchen” ist immer Ansichtssache. Manchmal hilft es aber dennoch, Klarheit darüber zu gewinnen, ob man gerade in die klassische Spontankauf-Falle tappt oder ob es wirklich eine gute Idee ist.


Dieser Leitfaden hilft dir auch deine Nähprojekt in Zukunft einmal besser zu planen, also lohnt es sich doppelt, diese Fragen einmal anzuschauen ;) Das klingt jetzt vielleicht so, als wollte ich dich vom Nähen abhalten, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich finde, wenn man seine Grenzen (und Möglichkeiten) erkennt,ist man nicht nur zufriedener, sondern auch erfolgreicher und näht mehr mit mehr Freude, weil man genau weiß, was ansteht. Wie frustrierend ist es, wenn ein Stoff ewig ohne Bestimmung herumliegt? Ich persönlich hatte dann fast schon das Gefühl eines kleinen Versagens "wieder nicht geschafft daraus etwas zu machen" udn umso entspannter und zufriedener war ich, einen Stoff nicht zu horten. Probier es doch mal beim nächsten Stoffladen-Besuch aus!


Und jetzt möchte ich dir im Gegenzug auch noch ein paar Inspirationen geben, um dir nicht ganz die Stoffkauferei zu vermiesen, denn ich weiß für viele ist das eine Art sich selbst in gewisser Weise zu beschenken… es gib auch Möglichkeiten, wie ich es mir bei der Stoffbeschaffung erlaube “zuzugreifen”. Ganz abgesehen davon gibt es natürlich auch Näh-Persönlichkeiten, bei denen die Inspiration einfach erst im Nachhinein kommt. Das soll kein Freibrief fürs Spontan-alle-Stoffe-Kaufen sein. Dahinter kann durchaus auch eine Methode stecken, ich muss aber gestehen, ich empfehle dieses Vorgehen eher Fortgeschrittenen und denjenigen, die von sich selbst wissen, dass sie sehr, sehr kreativ werden können...und das auch tun!

Was also könnte man beachten, wenn man gerade kein konkretes Projekt im Kopf hat, wenn dir also die Antwort auf die Frage “WAS?” fehlt. Dann kann man sich dennoch ein paar Grenzen setzen, um nachhaltiger zu handeln und nicht jeden x-beliebigen Stoff einzusacken.


Wenn du dich dem Spontankauf oder der Spontanbelohnung hingeben willst oder einfach ein absoluter Kreativ-Freigeist bist, dann wirf doch mal einen Blick in die Resteecke. Fast jeder Stoffladen hat sowas. Dort findest du Reststücke, die entweder durch Verschnitt entstanden sind oder einen Mangel bzw. Webfehler haben. In solchen Fällen erlaube auch ich mir, Stoffe zu kaufen! Natürlich achte ich dabei auf das Material, also Zertifizierungen und um welche Faser es sich handelt.

Dieser Bio-Baumwoll-Fleece und dieses Reststück Seide, die ihr dort seht, sind übrigens schon gedanklich verplant und ich hoffe euch bald die Ergebnisse zeigen zu können!

Der zusätzliche Vorteil bei Resten oder Ausschuss ist, dass viele Händler hierfür noch einen Nachlass geben. Und unter uns gesagt: Mir persönlich hilft das außerdem, die Überfülle der Auswahl an Stoffen etwas einzuschränken! Ich versinke manchmal in dem Überangebot!

Einen geraden Webfehler wie oben kann man beispielsweise parallel zur Naht verarbeiten, sodass er weniger auffällt. Alternativ kann man solche Webfehler auch mit Stickereien etwas verstecken oder kaschieren oder eine hübsche Applikation dort anbringen. So wird ein vermeintlicher Fehler direkt in etwas Besonderes transformiert.


Als ich angefangen habe zu nähen, habe ich auch erst lernen müssen, meinen Stoffbestand auf Kombinierbarkeit zu prüfen und dass zu viele Stoffe mit Motiven keine schönen Ergebnisse zulassen. Schlichte Stoffe sind sehr viel einfacher zu kombinieren! Also achte vielleicht darauf, dass du ein ausgewogenes Maß an gemusterten und schlichten Stoffen hast, bevor du zugreifst.


Jeder hat außerdem seine individuelle Grenze. Ich habe dabei bereits Grenzen aus Platzgründen, denn mein Stoffschrank ist sehr klein. Solange dort nix Neues hineinpasst, wird auch nix Neues gekauft. Vielleicht findest du ja dein ganz eigenes Kriterium?


Zu guter Letzt bedenkt doch mal: Zusätzlich zum Meterware-Stofflager habt ihr bereits ein riesiges Stofflager: euren Kleiderschrank! Mal darüber nachgedacht? Wieviele Textilien liegen dort ungenutzt herum, denen du ein neues Leben einhauchen könntest? Vielleicht könnt ihr ja ein oder mehrere Shirts auftrennen und zu einem neuen Teil vernähen? Oder aus einer Erwachsenen-Jeans, die bereits an mehreren Stellen durchgescheuert ist, Baby- oder Kinderkleidung nähen, die kleinere Schnitteile haben?


Natürlich ist das nur eine kleine Auswahl an Vorschlägen, wie du deine Stoffbeschaffung nachhaltiger gestalten kannst. Mittlerweile werden auf Verkaufsportalen auch von privat Reste angeboten, es gibt Stofftausch-Plattformen und und und… wenn du mit einer bestimmten Methode besonders gute Erfahrungen gemacht hast, schreib mir gerne dazu! Ich lasse mich auch gerne inspirieren!


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